Volker

Grabow

Wappen der Grafen Stammwappen der Grafen Wappen des Hauses Stolberg von Mansfeld 1481 von Stolberg vor 1429 nach dem Wappenbrief Kaiser Rudolfs II. vom 18.April 1597

Werkstatt eines Stückgießers ( Holzschnitt von Hans Burgmair aus dem „Weisskunig

  1. Überarbeitung : 16.01.2009
  2. Überarbeitung : 16.02.2009
  3. Überarbeitung : 07.04.2009
  4. Überarbeitung : 24.07.2009

Mitglieder des Verbandes Deutscher Schwarzpulver Kanoniere e.V. auf Spurensuche in der Vergangenheit.

Suche nach den Stückgießern, Dominikus Drunck, Martern Harder und Andreas Pegnitzer d.Ä. sowie anderen aus der Region Mansfeld-Südharz und Umgebung.

Erste Kontakte zu folgenden Archiven wurden aufgenommen:

-Archiv der Stadt Sangerhausen -Archiv des Landkreises Mansfeld-Südharz -Archiv der Lutherstadt Eisleben -Luther Gedenkstätten in Eisleben -Archiv der Stadt Allstedt auf Burg & Schloss Allstedt -Stadtverwaltung Lutherstadt Eisleben SG Öffentlichkeitsarbeit/

Kultur -Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Standort Wernigerode -Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt , Abteilung Dessau -Sächsisches Staatsarchiv Hauptstaatsarchiv Dresden -Staatsarchiv Nürnberg -Stadtarchiv Nordhausen -Philipp Fürst zu Stolberg-Wernigerode -Thüringisches Hauptstaatsarchiv -Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Magdeburg

-Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden

Mitglieder des Verbandes sind zur Zeit auf Spurensuche in der Vergangenheit. Für die Einrichtung einer durch den Verband geplanten Dauerausstellung

-Artillerie-500 Jahre Pulvergeschütze und Büchsenmeisterei

auf Burg & Schloss Allstedt sind außer Modellen auch historische Zeitzeugen von großem Interesse.

Natürlich stellen wir uns die Frage, gab es auf Burg Allstedt Büchsenmeister bzw. Kanonen?.

Burg & Schloss Allstedt heute, an der Straße der Romanik

Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach Wappen Wappen Großherzogtum Stadt

Sachsen-Weimar-Eisenach Allstedt

Aus der Baugeschichte der Burg ist bekannt, dass Schießscharten für Hakenbüchsen in zwei Ebenen erhalten sind. In der heutigen Erdgeschoßzone südlich des Burgtores eine so genannte Hosenscharte, im Süden drei Scharten, im Südwesten eine weitere und im Bereich des heutigen Westflügels in der Westwand vier und in der Nordwand noch eine Hosenscharte. In der Südlichen Wehrmauer und südlich des Tores sind sogar noch die hölzernen Kugelschutzbohlen erhalten, die das Eindringen feindlicher Geschosse verhindern sollten. Burg & Schloss Allstedt war in der Zeit von 1526 bis 1575 im Besitz der Grafen von Mansfeld und Stolberg. Von 1547 bis 1552 bewohnte Graf Wolfgang von Stolberg (ältester Sohn des Grafen Botho von Stolberg) das Schloss ständig. In der Findmittelliste im Archiv der Stadt Allstedt auf der Burg befinden sich für uns einige interessante Unterlagen. So zum Beispiel :

-Statuten der Büchsenschützen von 1583 -Die Verpflegung des russischen Regiments von 1642 ( 30jähriger Krieg 1618-1648) -Die Militärpflichten von Allstedt von 1823 -Die Verrichtung des Schlosswachdienstes durch die hies. Schlosssoldaten

von 1829 -Anschluss des Büchsenmachers David Ulrich zu Oldisleben an die hies. Schlosserinnung von 1834

Militärpflichten von Allstedt, von 1822/ 23 -Auszug Originaldokumente im Archiv der Stadt Allstedt auf der Burg Allstedt

Die Verrichtung des Schlosswachdienstes durch die hies. Schlosssoldaten von 1829 -Auszug - Originaldokument im Archiv der Stadt Allstedt auf Burg Allstedt

Die Verpflegung des russischen Regiments von 1642 -Auszug Originaldokument im Archiv der Stadt Allstedt auf Burg Allstedt

Diese Unterlagen werden zur Zeit gesichtet und übersetzt.

Anschluss des Büchsenmeisters David Ulrich zu Oldisleben an die hies. Schlosserinnung von

-Auszug Originaldokument im Archiv der Stadt Allstedt auf Burg Allstedt

Brief , Herzog Wilhelm Ernst zu Sachsen an den Rat der Stadt Allstedt 1688-1696

Dank an Herrn Dr. Rudolf Mirsch aus Eisleben für die Übersetzung des Dokumentes. Eisleben, den 10.02 2009 Wenn auch nicht wörtlich, so ist aus dem Text doch mit Ausnahme einiger Worte der Inhalt doch recht gut zu überblicken. Eine genaue wörtliche „Übersetzung“ ist nur speziell geübten Historikern möglich und bedarf oftmals eine lange Zeit.

Briefanschrift: Unseren lieben getreuen Rathe zu Allstedt ....................- January

Von GOTTES gnaden Wilhelm Ernst Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg Liebe getreue. Euch ist bereits bekannt, was gestalt einer gewisse Anzahl Mannschaft in der fl.... Landes Portion zuwerben anbefohlen, auch zu Allstedt bereits darmit der Anfang gemachet worden. Wann dann von nöchten seyn will, dass die neugeworbenen (?) auf wenig tage mit nohtdürftigen Quartiren versehen worden. Alß begehren wir hiermit in Vormundschaft Unseres ....ründlich geliebten Vetters, Schwagers und Sohnes, Herrn Johann Wilhelms Herzog zu Sachsen. Ihr wollet die Veranstaltung thun, damit au... des Hauptmann Beßlers (?) Anmeldung solchen neugeworbenen Soldaten nothdürftiges Obdach und Lagerstätte biß zu deren Anforderung in der Stadt Allstedt eingewiesen werden möge. Zu dem geschieht Unser Will und meynung. Datum Jena den 23.Jan: 1688

...........Strube (?)

Prä: den 4. May 1696

Demnach der Durchl. Fürst und Herr Herr Johann Wilhelm Herzog zu Sachsen, Jülich, Clewe und Berg, auch Engarin und Westphalen pp. Mein Gnädigster Fürst und Herr........ aus Unterthänigst Supplication der Vierleute (?) und sämtl. Bürgerschaft allhier, gnädigst committiret und befohlen, der wegen übertragener Einquartierungs Kosten, und deren restitution über einige Raths Persohnen und anderer geführten Beschwerden halber /: worvon die Abschriften.....communicirt worden:/ die Partheyen.. ei gewissen Tag (?) Vor.... Zubeschieden, dieselben gegeneinander gnüglich zuhören, und dahin zufolgen, dass kein Theil über Billigkeit beschweret, Vielmehr aber gebührend auseinander gesetzt, und ....zu seinem Befügnis verholfen worden möge, und aber zu unterthänigster Folge Hierzu der W nächste (?) Juny wird seyn der Donnerstag nachdem 1 post Trinitatis terminlich anberaumt ist, als werden

Beyderseits Partheynen so wohl die sämt. Raths Persohnen, biß auf H. Bürgermeister Böhmer (?, als auch die Vierleute Ausschuß und gesambte Bürgerschaft hierdurch eitirt, gedachten Tages zu rechter früher Zeit, durch Sijedico (?) vor mier zu....... geschickt gütlicher Handlung zu..........flogen, in deren Einstellung ober ihre Notdurft kürtzlich einzubringen, und fernerer Weißung zu erwarten, wonach sich zu achten. Sign. Allstedt den 2. May 1696

Fürstl. Hof-und Cammer-Rath Wie auch Ambtmann

Chr..........

Im Gegensatz zu Querfurt oder Heldrungen waren in Allstedt nach dem 30 jährigen Krieg keine umfangreichen Instandsetzungs-und Befestigungsanlagen erforderlich; Allstedt war kein „ wehrhaftes“ Schloss.

So haben wir uns entschlossen, die Suche nach Büchsenmeistern in der ehemaligen Grafschaft Mansfeld ( heute Landkreis Mansfeld-Südharz ), sowie im Raum um Sangerhausen (früher Sachsen) aufzunehmen. Natürlich werden wir im Archiv auf der Burg Allstedt die Suche alten Dokumenten weiter fortführen.

Was war ein Büchsenmeister ab dem

14. Jahrhundert ?

Der Büchsenmeister

Der Büchsenmeister war ein Meister von hohem Rang

Mit der Kunst der Büchsenmeisterei kommt im 14. und 15. Jahrhundert in Deutschland eine Literatur auf, die man in anderen Ländern nicht kennt, die Feuerwerks-und Büchsenmeisterbücher. Das Feuerwerksbuch von 1420 war das erste deutsche Buch der Feuerwerkerei, welches über zwei Jahrhunderte das Lehrbuch der Feuerwerker, Büchsenmeister und Pulverhersteller war. Das Buch erschien erstmals 1529 im Druck, die handgeschriebene Version entstand um 1420.

Kneten und Trocknen von Eingießen des dünnflüssigen Schießwassers Knollerpulver durchs Zündloch ( um 1420-1440)

Die meisten Handschriften zeugen von einem tiefen Wissen und einem erheblichen Bestreben, das Erprobte zwar als Geheimnis zu hüten, es aber doch der nächsten Berufsgeneration mitzuteilen. Entsprechend dem Brauch der Zeit gaben die Büchsenmeister ihre Bücher oftmals den Fürsten, denen sie dienten, oder sie vertrauten ihr Wissen der Stadt an. Aus den Handschriften ist zu ersehen, dass die Büchsenmeister mit ihrem Wissen um ihre Kunst auch den Stolz, die Würde und die Ehre ihres Berufes den Jüngeren vermitteln wollten. Die Büchsenmeister nahmen von Anfang an eine besondere Stellung unter den Handwerkern ein. Gehörten sie auch als Gießer zur Schmiedezunft-sie waren Feuerarbeiter-, blieben aber nicht an die Zunft gebunden. Sie übten, wie dann auch seit dem 15. Jahrhundert die Buchdrucker, ihre Kunst als freies Gewerbe aus. Das schloss nicht aus, dass sie mit Zunfthandwerkern, z.B. Stellmachern, Zimmerleuten, Steinmetzen und anderen, zusammenarbeiteten. Die Handfeuerwaffen dagegen wurden in verschiedenen Metallzünften hergestellt

Feuerwerksbuch von etwa 1420-Titelbild des Druckes von 1529 durch Christian Egenolph, Straßburg

Anfang: Diese Dinge gehören zu einem jeglichen Büchsenmeister, dass er sich an sich haben soll.

Die Büchsenmeister waren keine „Diener“, keine Beamten der Städte. Ihnen wurden Stückpreise gezahlt, die vorher mündlich abgesprochen waren, oder es wurden für die auf eigene Gefahr gegossenen Büchsen der Kaufpreis ausgezahlt. Bezahlte eine

Stadt nicht gut, zog er in eine andere. Nur wenige Städte hatten um 1400 ständige Büchsenmeister. In des Büchsenmeisters Hand war zuerst alles vereinigt, was mit der neuen Waffe und deren Anwendung zusammenhing. Zu jener Zeit leitete der Büchsenmeister das gesamte Waffenwesen seiner Stadt. Neben dem Büchsenmeister bildeten sich als eigenständige verantwortliche Berufe die des Büchsengießers und des Büchsenschützen heraus. 1388 werden zum ersten Male Büchsenschützen genannt. Bedenkt man, dass das Feuerwerksbuch von 1420 dem allgemeinen Wissenstand und dem Denken der Büchsenmeister zum Anfang des 15. Jahrhunderts entsprach, und liest, dass ein Büchsenmeister lesen, schreiben, rechnen sowie experimentieren können musste, so erkennt man das hohe Maß der Forderungen, welches an den für das aufkommende Bürgertum so wichtigen Beruf gestellt wurde. „Er soll sich auch ehrbar und freundlich zeigen mit Worten und Werken, und soll zu allem wohl besonnen sein, und sich besonders in allen Zeiten vor Trunkenheit hüten“. Die Büchsenmeister-und Feuerwerksbücher beginnen fast immer mit den so genannten 12 Büchsenmeisterfragen. Der Geselle, welcher Büchsenmeister werden wollte, musste die 12 Fragen mit Beispielen belegen und beantworten können. Er musste eine mündliche Prüfung bestehen, sowie sein Wissen über das Pulver nachweisen, und die Theorie über die Quelle der treibenden Kraft beherrschen. Spätestens ab 1535 entstand mit dem Buch “von den probierten Künsten“ des Kölner Büchsenmeisters Franz Helm ein neues artilleristisches Standardwerk. Es löste nicht nur das „Feuerwerkbuch von 1420“ ab, sondern es wurde sogar zu einem der am meisten abgeschriebenen Werke des 16. Jahrhunderts. Damit wiederum wird auch eine weitere Besonderheit dieser Bücher deutlich. Bis auf wenige Ausnahmen blieben sie trotz ihrer Entstehung im Mittelalter des Buchdrucks repräsentative Handschriften, die zugleich die Exklusivität militärischen Fachwissens demonstrierten. Dass sie trotzdem so häufig in fürstlichen und adligen Sammlungen zu finden waren, beweist daher umso mehr den Wert, der ihnen einmal beigemessen wurde.

Zur Weiterbildung und zur Übung der Artilleristen wurden schon früh Schießübungen abgehalten. Als erste richtete die Freie Reichsstadt Nürnberg im Jahre 1422 einen ständigen Schießplatz ein, auf dem die Artillerie dann üben konnte. Andere Städte folgten und in unregelmäßigen Abständen fanden öffentliche Schießwettkämpfe statt, die sogar, wie 1578 in Augsburg mehrere Wochen dauern konnten. Am berühmtesten aber war und bleibt in dieser Epoche das Nürnberger Stückschießen, zu dem sich auch Militärexperten diverser Staaten einfanden, m dort Spionage zu betreiben oder Ausschau nach viel versprechenden Geschützmeistern zu halten. So waren diese Schießen im Endeffekt auch eine Werbeaktion, die es den Geschützmeistern ermöglichten, sich vorzustellen und einen Arbeitsgeber zu finden.

Nürnberger Stückschießen 1671

Silbermedaille 1671, von Chr. Moller, auf das Stückschießen. Ansicht des Schießplatzes mit vier Kanonen, zwei Böllern und dem Ziel jenseits der Pegnitz, im Hintergrund die Stadtansicht, oben gekrönter Adler mit Schwert, Zepter und drei Wappenschilden, im Abschnitt römische Jahreszahl und Stempelschneidersignatur//Sieben Zeilen Schrift, umher Kranz aus den Wappenschilden der sieben Ältesten des Rats.

Die Suche beginnt in der Grafschaft Mansfeld

Wappen der Grafschaft Mansfeld ab 1481

Aber fangen wir mit der Suche in der Grafschaft Mansfeld an.

Die Grafen von Mansfeld gehörten nach den Untersuchungen der deutschen Adelsforschung zu den ältesten Dynastengeschlechtern auf deutschen Boden.

Aus der Literatur ist bekannt, das der Büchsenmeister namens

Dominic(k)us Drunck ( Trunck) (aus Kodex „Artillerie“)

aus Eisleben im Jahr 1525 für die Grafen von Mansfeld einen hängenden Mörser mit ihrem Wappen und dem Spruch :

„ MAN.NENT. MICH. DEN: MORSF: GROS. VND/

KECK. DIE. VNGEHORSAMEN. ICH/

VBEL ERSCHRECK. WEN ICH MIT/

ERNSR AUFWECK.

sowie der Meisterbezeichnung

„DOMINICUS TRUNCK ZV ISLEVEN GOS MICH.

gegossen hat, und vermutlich um 1530 eine Feldschlange für den Grafen Botho von Stolberg.

Mörser 1525 Feldschlange um 1530 auf Schloss Wernigerode

Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Mörser in der so genannten Marterkammer der Festung Mansfeld stand. Man vermutet, dass die Marterkammer oder auch „Mörserkammer“ eine versenkte Mörserbatterie war. Die Feldschlange, die heute im Schloss Wernigerode steht, hat durch die gekehlten und gewulsteten Ornamente große Ähnlichkeit mit dem von Drunck gegossenen Mörser. Vermutlich goss Drunck auch die Feldschlange 1530 für den Grafen Botho von Stolberg.

Eine Auskunft über den Stückgießer Dominikus Drunck aus Eisleben konnten uns das Hauptstaatsarchiv Dresden auch nicht geben. Sein Name kommt aber im Kodex „Artillerie“ (Irene Roch-Lemmer – Die Bestückung der Festung Mansfeld im 16. und 17. Jahrhundert) vor. Über drei Bände „Artillerieverfügt das Archiv in Dresden (siehe Fundmittel). Das Archiv übersandte uns eine Fundmittelübersicht, und bot uns an, sie im Lesesaal des Archivs einzusehen, sowie bei Findungen Kopien anzufertigen. Vielleicht finden wir bei der Sichtung der Unterlagen eine Antwort im Hauptstaats- archiv Dresen, und können auch die Frage nach Dominikus Drunck aus Eisleben beantworten.

Dieses Archiv könnte der Schlüssel für einige Antworten auf unsere Fragen sein. Es befanden sich für unsere Suche folgende Interessante Fundmittel darunter:

-Verzeichnis etlicher Geschütze im Lande Thüringen 1528

-Geschütz und Munition, so im Hause Heldrungen 1590 inventiert gefunden

(1479 fiel Heldrungen an Graf Ernst II. von Mansfeld. 1519 Ausbau der Festungswerke mit insgesamt 12 Rondellen in zwei Festungsgürteln).

-Der deutschen Völker Durchzug nach Frankreich unter Fürst 1591 Christian I. von Anhalt (Bernburg) und die demselben von Kurfürst (Christian I. von Sachsen) dahin abgefolgten zwei Notschlangen (Geschütze) samt dazugehöriger Munition und darüber aufgerichtete Inventare.

-Artilleriesachen 1567-1653 -Erstes Buch, Artillerie-und Bausachen 1553-1581 -Zweites Buch, Artillerie-und Bausachen 1573-1576

-Drittes Buch, Artillerie-und Bausachen 1576-1584

Enthält u.a.: Erfindung der Streukugeln.-Springende Feuerkugeln.

-Verzeichnis einiger Artillerie und anderer, dem Kurfürsten 1591 (Christian I. von Sachsen), offerierten Künste

-Artilleriesachen 1567-1716 -Geschütze-und Belagerungswesen. 1564

Eine große Anzahl farbiger Zeichnungen auf 142 Blatt von Feuerpfeifen, Mortiers, Raketen etc.

Des weitern ist bekannt, dass der Festungsbaumeister und Büchsenmeister Martern Harder (Herden) aus Nürnberg im Jahr 1518 auf Schloss Mansfeld weilte, um als Sachverständiger für Festungsbau die Grafen zu beraten. Mansfeld wurde zur

damaligen Zeit (1517-1549) zu einer der bedeutendsten Festungen in Deutschland ausgebaut. Etwa zeitgleich bauten die Grafen auch an den Schlössern, Arnstein der Festung Heldrungen und Seeburg.

( Festung Heldrungen; 1518 wurde unter Graf Ernst II. von Mansfeld zu Vorderort (1479-1531) mit dem Bau eines Festungswerkes um das eigentliche Schloss herum begonnen. Die Bauarbeiten dürften sich bis in die zwanziger oder dreißiger Jahre des 16. Jahrhunderts hingezogen haben).

Festung Heldrungen

1664/68 durch Herzog August von Sachsen im ital. -franz. Festungsbaustil mit gewaltigen Wällen und Wassergräben umgebaut.

1631 waren auf der Festung Mansfeld 43 Geschütze, die sämtlich das Gräfliche Mansfelder Wappen führten, und 70 Musketen vorhanden. Eine Einnahme der Festung gelang jedoch immer nur durch Kriegslist, niemals durch Erstürmung. Die seit dem frühen 16. Jahrhundert für Ausbau und Ausstattung von Schloss Mansfeld herangezogenen Geschützgießer aus Nürnberg dürfte wesentlich zur Etablierung ortsansässiger Werkstätten und zu ihrer hohen Reputation beigetragen haben.

Am 1.Juni 1674 wurde mit den Arbeiten der Zerstörung ( Schleifung ) der Festung begonnen. 1675 kamen die Arbeiten zum Stillstand, ohne dass die Schleifung vollendet wurde.

Melanchthon (1497-1560) nannte Schloss Mansfeld „ eine vornehme Burg, eines König würdig

Schloss und Festung Mansfeld, Eusebius Christian Franke, Historie der Grafschaft Mansfeld, Leipzig: Jacob Schuster 1723

Schloss der Grafen von Mansfeld heute

Grosche 1486-1526 der Grafschaft Mansfeld, Günther VI., Ernst II., Hoyer VI.-Gebhardt VII. und Albrecht VII. , Eisleben 1514

Den äußeren Anlass für den Festungsbau auf Schloss Mansfeld gab die als Folge der einschneidenden Erbteilung von 1501 notwendig gewordene Errichtung des Schlosses Hinterort außerhalb der bisherigen Anlage. Offenkundig ließ aber auch die

zu dieser Zeit bereits bedrohte Machtstellung der Grafen eine Sicherung ihres Stammsitzes nach den modernsten Grundsätzen der Befestigungskunst und einer starken Bestückung ratsam erscheinen. Der „gemeine Bau“ war bereits seit 1505 geplant und 1511, dem Jahr des Baubeginns von Schloss Hinterort, vertraglich vereinbart worden. Aber erst 1517 wurde der Bau begonnen und sicher in verschiedenen Bauabschnitten bis etwa 1549 weitergeführt, verbessert und erweitert. Zu den Beratungen über den Festungsbau seit 1517 wurden mehrere Sachver- ständige hinzugezogen. Hier erfahren wir, dass unter den Teilnehmern auch der Gießer, Zeug-und Festungsbaumeister Matern Harder (gest. 1525), „der stadt Nurnberg buchsenmeister“, war. Dies lässt erkennen, welch große Bedeutung man dem Festungsbau aber auch der Bestückung mit Geschützen beimaß.

Matern (Mattern, Mathern) Hader ( Herden) -stammte aus Straßburg und war seit 1512 in Nürnberg tätig. Als Festungsbaumeister und – sachverständiger, sowie als Geschützgießer sehr gefragt und geschätzt, wirkte er außer in Nürnberg auch in Bamberg, Ulm und Augsburg . Nachweislich hielt er sich 1518, ein Jahr nach Baubeginn, auf der Festung Mansfeld bei Graf Hoyer VI. – Vorderort – ( 1484-1540) auf, und drei Jahre später fasste er für diesen sowie auch für Graf Botho von Stolberg einige Geschütze. (Graf Botho der Glückselige, Sohn Heinrichs des Älteren zu Stolberg und seiner ersten Gemahlin Mechthild, Tochter Graf Volrats von Mansfeld, geboren als jüngster Zwillingsbruder Heinrichs des Jüngeren geb. am 4. Januar 1467, gest. am 22. Juni 1538 )..

Außer Hader war der ebenfalls in Nürnberg tätige Geschütz-und Glockengießer Andreas Pegnitzer ( Pengnitzer, Begnitzer) d.Ä. (gest. 1554) mit Geschützguss für die Grafen von Mansfeld beschäftigt. Zwei Geschütze tragen seinen Namen. Beide Geschütze waren Quartierschlangen, leichte Feldschlangen, und wurden, wie sich aus der Inschrift und Darstellung erklären lässt, auch „Füchse“ genannt. Auf Berufung von Spangenberg ( Mansfeldische Chronica) wird eines dieser Geschütze als das Größte auf der Festung erwähnt, bei dessen „Los Brennung man im Thale Maßfeld allezeit in grossen Schrecken gestanden“ hat. „Möglicherweise“ waren Pegnitzer und Harder gemeinsam in Mansfeld beschäftigt, 1512 und 1513 hatten beide in Nürnberg bereits zusammen Geschütze gegossen. Die Grafen von Mansfeld pflegten enge wirtschaftliche Beziehungen( Saigerhandel) zur Reichsstadt Nürnberg.

Harder (Herder) Matern, Geschützgießer, Zeug-und Festungsbaumeister, seit 1512 stand er als Geschützgießer und Meister des Zeughauses im Dienste der Stadt Nürnberg. 1513 goss er Geschütze für die Stände von Böhmen und für den Markgrafen Friedrich d. Ä.. 1513 ist eine Reise nach Ulm belegt. 1515 wurde er als Festungsbaumeister an den Bischof von Bamberg ausgeliehen. 1516 reiste er erneut nach Ulm, begleitet von Hans Beheim d. Ä.. Beim Probeschießen einer Büchse 1516 ereignete sich ein größerer Unglücksfall, doch kam Hader mit heiler Haut davon. 1516,1520 und 1521 weilte er in Straßburg. 1517 verbesserte Harder die Befestigung von Nürnberg.1518 Reise nach Augsburg. Er besichtigte die Befestigungen von Altdorf und machte eine Reise zum Grafen Hoyer VI. von Mansfeld. 1519 besichtigte Harder die Befestigungswerke von Windsheim. 1523 reiste er im Auftrag des Rates als Zeugmeister zum Heer des Schwäbischen Bundes; im selben Jahr wurde er von Herzog Georg von Sachsen und von Ludwig von Hutten als

Festungsbausachverständiger angefordert, welchem Ruf er jedoch nicht folgen konnte.

Es ist aber auch durchaus möglich, dass Harder, 1519 auch bei den Grafen Ernst II. von Mansfeld, beim Festungsbau in Heldrungen als Sachverständiger vor Ort war. Heldrungen war zur Zeit Besitzung der Mansfelder Grafen.

Unsere Vermutung müssen wir aber noch erforschen.

Vielleicht finden wir dazu Hinweise im Hauptstaatsarchiv Dresden.

Pegnitzer ( Pengnitzer, Begnitzer ), Andreas d. Ä. Geschütz-und Glockengießer, gest. 11.6.1554 in Plassenburg/ Kulmbach, Sohn des Hans, Büchsengießer. Wahrscheinlich identisch mit dem „jungen Pegnitzer“, der am 20.11.1504 erwähnt wurde, als der für den Landgrafen von Hessen Büchsen gießen sollte. 1511 wollte er anscheinend die Stadt verlassen. Um dies zu verhindern, lieh ihm die Stadt 500 fl.rh. auf fünf Jahre und verpflichtete ihn auf acht Jahre als Büchsenmeister. 1513 goss er für den Abt Hartmann von Fulda mehrere Büchsen und Schlangenbüchsen. 1516 lieferte er Ladislaus von Sternberg, Kanzler in Böhmen, ein Geschütz von 91 Zentnern, „Löwe“ genannt, nebst weiteren Schlangen. Von 1519 ist die Lieferung des in der Literatur mehrfach erwähnten Geschützes namens „Lindwurm“ nach Nordhausen überliefert, das noch im siebenjährigen Krieg 1760 im Einsatz war und von dort nach Magdeburg entführt wurde. (Der „Lindwurm“ zählte zu einem der schönsten Geschütze Deutschlands). Pegnitzer trat 1519-1530 als Lieferant großer Aufträge für das Nürnberger Zeughaus in Erscheinung. Dazwischen war er von etwa August 1520 bis Juli 1522 in Augsburg tätig, wo er für insgesamt neun Büchsen bezahlt wurde, es ist jedoch ungeklärt, ob alle Stücke auch in Augsburg gegossen wurden. Für 1521 sind auch zwei Kartaunen ( Geschütze im 15./16.Jh., auf dt. Viertelbüchse ) a 48 Pfd. für das Nürnberger Zeughaus nachgewiesen, sowie eine Büchse von 30 Zentnern für Stollberg. 1542 trat er als Büchsenmeister in den Dienst der Stadt Bamberg. Am 21.4.1543 gab er sein Nürnberger Bürgerrecht auf, im selben Jahr trat er in den Dienst des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, für welchen er in Kulmbach arbeitete. Er starb 1554 bei der Belagerung der Plassenburg kurz vor deren Übergabe.

Nach Aussage des Staatsarchivs Nürnberg waren Martern Harder, sowie auch Andreas Pegnitzer d.Ä. Nürnberger Bürger.

Eine Reise Pegnitzers zu den Mansfelder Grafen Hoyer VI. , bzw. ein Aufenthalt ist in den Unterlagen des Staatsarchivs Nürnberg nicht erkennbar.

In den Verlässen des Inneren Rates der Reichsstadt Nürnberg sind die beiden genannten Personen nachgewiesen. In den Briefbüchern der Reichsstadt Nürnberg, welche die auslaufenden Schreiben des Nürnberger Rates enthalten, ist ein Schreiben an Andreas Pegnitzer den Älteren vom 3. März 1546 überliefert, sowie eines an den brandenburgischen Kanzler Christof Strasser vom 10.Juli 1542, in dem Andreas Pegnitzer (d. Ä. oder d. J.) als Gießer genannt wird.

Weitere Nachweise können in den Stadtrechnungen und Stadtrechnungsbelegen enthalten sein. Eine Urkunde, wie der Bestallungsbrief für den Vater Hans Pegnitzer

vom 21. Februar 1466 konnte für den Sohn nicht feststellt werden, jedoch ist eine Anstellung als Büchsenmeister in Nürnberg im Jahr 1511 und die Verlängerung im Jahr 1519 in den Ratsverlässen überliefert. Nachweislich ( Rudelstädter Heimathefte 1985 – Die Bronzegeschützrohre der Sammlung „Schwarzburger Zeughaus“ ) sind alle im Schwarzburger Zughaus zu besichtigten Bronzegeschütze auf ein und die selbe Werkstatt zurückzuführen. Wie das Spruchband des einen Geschützes aussagt, war es die des Nürnberger Stückgießers Andreas Pegnitzer d.Ä.. Es ist bekannt, dass im Jahre 1522 Graf Balthasar , Hauptmann bei den Herzögen von Niederbayern, Pfleger der Herrschaft Heideck und Ganerbe auf dem Rothenberg, der viel in Nürnberg verkehrte, Geschütze von Pegnitzer gießen ließ.

Im Staatsarchiv Nürnberg ist ein Schreiben an Andreas Pegnitzer d.Ä. vom 3. März 1546, sowie eines an den brandenburgischen Kanzler Chrstof Strasser vom 10.Juli 1542, in dem Andreas Pegnitzer d.Ä. als Gießer genannt wird, erhalten.

Die Suche nach weiteren Tätigkeiten Harders und Pegnitzers in der Grafschaft Mansfeld und Umgebung geht weiter.

Nicht so erfolgreich zur Zeit ist die Suche nach Dominikus Drunck aus Eisleben. Wie bereits erwähnt, goss er Geschütze für den Grafen Hoyer VI. von Mansfeld und Graf Botho von Stolberg. Bis jetzt haben wir außer dem Hinweis in der Literatur leider noch keine Spur, weder in den Landeshauptarchiven Dessau und Wernigerode, der Lutherstadt Eisleben und dem Kreisarchiv Mansfeld Südharz.

Es ist jedoch nicht völlig auszuschließen, dass bei detaillierter Auswertung im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Standort Wernigerode, der hier vorhandenen handschriftlichen Überlieferungen der Grafschaft Mansfeld ein Hinweis auf Drunck oder seine Berufsgenossen gefunden wird.

In der Luthergedenkstätte der Lutherstadt Eisleben fanden wir das Hauszeichen eines Glocken-und Kanonengießers aus dem 17. Jahrhundert. Dieses Hauszeichen ist eine Leihgabe der Lutherstadt Eisleben an die Luther Gedenkstätten in Eisleben.

Nach der Erteilung einer Genehmigung zur Anfertigung einer Kopie des Hauszeichens im Maßstab 1:1 ( 1,30m x 0,70m ), werden wir dieses durch einen Steinmetz ( Sponsor) in Sandstein nacharbeiten lassen. Diese Kopie wird für das Museum auf Burg & Schloss Allstedt angefertigt.

Am 12.Februar 2009 wurde durch die Lutherstadt Eisleben / Stadtverwaltung die Genehmigung zur Kopieerstellung des Hauszeichens eines Glocken-und Kanonengießers dem VDSK erteilt.

Hauszeichen eines Glocken-und Kanonengießers aus dem 17. Jahrhundert.

Aus den Quellen ( Niehr -Das Grabmal Hoyer VI.) und dem Hauszeichen ist bekannt, dass es in Eisleben Gießereien gegeben hat. Leider ist die Quellenlage für Eisleben sehr mangelhaft, aber es dürfte auch dort Werkstätten gegeben haben, die wenigstens für den Guss in Frage kommen. Denn immerhin ist eine jüngere Begebenheit bekannt, die das vermuten lässt:

1554 wendet sich Kurfürst Johann Friedrich der Mittlere von Sachsen (1529-1595) an Graf Johann Georg von Mansfeld-Vorderort mit der Bitte, den Eislebener Büchsengießer Jacob Schlaf nach Weimar zu senden. Dort sollte er gemäß einer Visierung durch den Hofmaler Peter Roddester, und nach Modellen des Bildschnitzers Hermann von Erfurt die Grabplatte von Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen (1503-1554) und seiner Frau gießen.

Sächsisches Staatsarchiv: in unseren Beständen konnten wir anhand der Datenbank keine Hinweise auf Eisleber Gießereinen und Jacob Schlaf ermitteln. Zur Verfolgung weiterer Spuren kämen hinsichtlich der Grabplatte für Kurfürst Johann Friedrich und seine Gemahlin die Bestände des Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar in Frage.

Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar:

-Büchsengießer Jacob Schlaf aus Eisleben

Die Quellenbelege für die Anforderung von Jacob Schlaf zur Herstellung der Grabplatte für Herzog Johann Friedrich I. von Sachsen und seiner Frau Sybille befinden sich in ThHStA Weimar, Ernestinesches Gesamtarchiv, Reg. D 223, Bl. 146ff

Mit freundlichen Grüßen Frau Blaha Abt.-Ltrin.

Landeshauptarchiv Sachsen Anhalt Abteilung Magdeburg :

-Büchsengießer Jacob Schlaf -Bronzegrabplatte Hoyers VI. von Mansfeld- Vorderort -

Leider habe ich über elektronische Suchbefehle noch über konventionelle Findhilfsmittel Hinweise auf Jacob Schlaf oder die Grabplatte Hoyers VI. ermitteln können. Unter den hiesigen Beständen wäre prinzipiell zunächst der Urkundenbestand der Grafschaft Mansfeld, U 11, A relevant. Unter dem Gliederungspunkt Stadt Eisleben klafft eine Lücke zwischen 1539 und 1558. Die ca. zehn Urkunden, an denen Mansfelder Grafen von 1540 – 1545 beteiligt waren, machen nicht den Eindruck, dass Sie zu Ihrer Thematik aussagefähig sind. Allerdings sind die Regesten sehr kurz formuliert, es ist nicht völlig auszuschließen, dass die Texte doch noch für Sie interessante Details beinhalten können. Hierzu wäre aber eine Direktbenutzung erforderlich, da das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt (LHASA) wegen hoher Aufgabenfülle bei extremem Personalmangel Recherchen nicht beliebig weit ausdehnen kann.

Wie Sie durch Ihren Kontakt mit unserem Standort Wernigerode schon wissen, gilt dies in erhöhtem Maße hinsichtlich der umfangreichen Aktenbestände. Am hiesigen Standort Magdeburg werden im Rahmen der erzstiftisch-magdeburgischen Überlieferungen zahlreiche Akten zu dem unter magdeburgischer und anschließend brandenburg-preußischer Verwaltung stehenden Anteil Mansfelds archiviert, zu dem Eisleben bekanntlich nicht gehörte, doch ist selbstverständlich von den vielfältigen Beziehungen zwischen beiden Anteilen auszugehen.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Klare

Über die Anfertigung der Bronzegrabplatte des Grabmals Hoyer VI. von Mansfeld- Vorderort (1484-1540) ( Grabplatte in der St.Andreaskirche zu Eisleben) ist nichts über die näheren Umstände des Gusses bekannt, ebenso über die Vergabe an welchen Künstler und Handwerker. Es spricht aber alles dafür, in ihr ein heimisches Werk zu sehen. Man geht davon aus, dass die metallverarbeitenden Handwerker der Grafschaft Mansfeld über die Grenzen der Gegend hinaus bekannt waren. Es ist davon auszugehen, dass diese Gießereien auch Mansfeldisches Kupfer für den Guss von Geschützrohren geschmolzen haben.

Da er wie bereits erwähnt Drunck auch für Graf Botho von Stolberg Geschütze gegossen haben soll, haben wir uns mit der Bitte um „Suchhilfe“ an Philipp Fürst zu Stolberg-Wernigerode gewandt.

Grafschaft Stolberg/ Wernigerode

Wappen des Hauses Stolberg Nach dem Wappenbrief Kaiser Rudolfs II. vom 18. April 1597

Schloss Stolberg/Harz Schloss Wernigerode/Harz heute heute

Plateau auf Schloss Wernigerode heute

Leider kann uns der Fürst zu Stolberg-Wernigerode auch nicht weiterhelfen. Er ist aber an unserer Suche sehr interessiert, und würde sich über weitere Informationen (wer und wo wurde die Feldschlange gegossen?) bezogen auf die „schöne Treiberin“ freuen.

Brief des Fürsten zu Stolberg

Wir bleiben mit dem Fürstenhaus weiter in Verbindung.

Da der Fürst zu Stollberg-Wernigerode interessiert an der Geschichte der „Schönen Treiberin“ ist, werden wir auch in diese Richtung unsere Suche erweitern.

Die erste Frage ist, welcher Stückgießer goss 1521 die Feldschlange, die „Schöne Treiberin“ ?.

Im Buch – Feld-und Festungsartillerie-Heeresgeschütze aus 500 Jahren steht, ich zitiere, “Die auf dem Plateau des Schlosses von Wernigerode aufgestellte Bronzekanone – genannt „Schöne Treiberin “-wurde 1521 in Eisleben gegossen (vermutlich von Dominikus Drunck). Sie war ein Geschenk des sächsischen Herzogs Georg (1500-1539) an den Grafen Botho von Stolberg-Wernigerode. Wie des Öfteren, auf solchen als Geschenk gedachten Geschützen üblich, sind auch hier das herzoglich – sächsische Wappen und das Familienwappen des Grafen Botho und seiner Gemahlin Anna von Eppstein-Königstein gestaltet. Das Bodenstück ist als Löwenkopf ausgebildet. Mit einem Kaliber von 90mm entspricht die Feldschlange etwa den späteren 6-Pfündern. Um diese und eine weitere kleine Feldschlange im Dreißigjährigen Krieg nicht in die Hände marodierender Truppen

fallen zu lassen, waren sie in einer Mauernische vergraben worden. Erst 1864 entdeckte man beide Geschützrohre bei Restaurationsarbeiten am Schloss „. Bekannt ist, das die Feldschlange 1521 ? gegossen wurde, und auf Schloss Stolberg stand. Man kann hier auch die Frage stellen, warum hat „ Drunck “ seinen Namenszug so wie auf dem Mörser für den Grafen Hoyer VI. von Mansfeld nicht auch auf das Rohr der „Schöne Treiberin“ gesetzt , wenn er es gegossen hat?. Man könnte nun sagen, der Mörser ist ja später gegossen worden, wenn der Gießer wirklich Druncks war.

In der Literatur steht zwar immer für die „Schöne Treiberin“ das Gießjahr 1521. Es ist verwunderlich, dass das Jahr 1521 immer erwähnt wird, aber niemand gibt Auskunft über den Stückgießer und den Grund der Schenkung an Botho von Stolberg.

Die zweite Frage ist, wann und warum schenkte Herzog Georg von Sachsen (der Bärtige) die Feldschlange dem Grafen Botho zu Stolberg ?.

Ein Grund könnte sei: Zeitzeugen berichten über Graf Botho, dass er bereits in jungen Jahren durch Gelehrigkeit, Klugheit und Tapferkeit beim Kaiser und den Kur-und Fürsten des Reiches großes Ansehen erwarb. „Daher er nicht nur beym Hertzog Georgen zu Sachsen, mit dem er einen Orden des güldnen Vliesses, als ein sonderbares Andencken Käyserlicher Gnaden und Ehre trug, geheimbder Rath, sondern auch als

a. 1520 käyswe Carolus V. ( Kaiser Karl V. 1500-1558 )zu Aach gekrönet ( 23. Oktober ),nebst seinen beyden ältesten Söhnen, Graf Wolfgangen und Graf Ludwigen, zu Rittern geschlagen.

Graf Botho finden wir auch an der Seite des Herzogs Georg von Sachsen bei der Hochzeit des Herzogs Johann von Sachsen mit der Herzogin Sophia von Mecklenburg 1499. Nicht nur bei freudigen Anlässen erfüllten die Stolberger ihre Pflichten an der Seite der Wettiner. Als Herzog Albrecht von Sachsen am 25.Januar 1501 begraben wurde, trug Graf Botho zu Stolberg die Fahne der Pfalz Sachsen. 1498 nahm Graf Botho als erster Gesandter des Herzogs von Sachsen für diesen die Besitzergreifung von Friesland und die dortige Huldigung vor, und übte von 1501 bis 1505 für Herzog Georg von Sachsen die verantwortungsvolle Funktion des Pflegers zu Coburg aus. Als sich Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521 zu seinem reformatischen Glauben bekannte, war dort auch Graf Botho zu Stolberg anwesend.

All das könnten Gründe für die Schenkung der Feldschlage „Schöne Treiberinsein.

Die Schenkung an das gräfliche Haus Stolberg könnte also zwischen 1521 und 1525 stattgefunden haben.

Warum der Zeitraum zwischen1521und 1525?

Am 3.Mai 1525 unterwarfen sich die Grafen von Schwarzburg und Stolberg der Übermacht der Aufständischen Bauern. Als am 15.Mai 1525 das Bauernheer unter des aus Stolberg stammenden Thomas Müntzer erfolgreich geschlagen wurde, sind gemeinsam mit den Bauern Graf Wolfgang ( Sohn von Graf Botho von Stolberg 1501-1552 ) und seine Begleiter gefangen genommen worden. Der junge Graf musste nun unter dem Zorn des Herzogs Georg von Sachsen leiden. Es kostete viel Zeit, um die tatsächlichen Verhältnisse aufzuklären und wieder halbwegs normale Beziehungen zwischen Herzog Georg und den Stolberger Grafen herzustellen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass er dafür ein Geschenk des Herzogs Georg von Sachsen erhalten hat.

Feldschlange die „Schöne Treiberin“, 1521, Kaliber 90mm( Besitz des Fürsten zu Stolberg- Wernigerode ) Auf dem Rohr befinden sich das Allianzwappen des Grafen Botho III . „ der Glückselige“ (1467-1538) und seiner Gemahlin Anna von Eppstein-Königstein, (1482-1538) sowie das herzoglich sächsische Wappen.

Weitere Geschütze der Grafen von Stolberg-Wernigerode

Folkonett, ( leichte Feldschlange) gegossen von Andreas Kepffel 1534, Kaliber 55 mm, Gesamt Länge 3,55 m, Rohrlänge 2,18m

Bronzene Feldschlange, gegossen von Dominikus Drunck aus Eisleben um 1530, reiche Reliefgliederung an Mündungsstück und Bruch. Im Vergleich zum fließenden Kantenwechsel auf Rohren mit gotischen Stilmerkmalen zeigt die Feldschlange sehr deutlich die betonte Quergliederung auf frühen Renaissance-Rohren.

Falkonett mit Wappen der Grafen von Anhalt, gegossen von Andreas Keppfel, 1539 ( Schloss Wernigerode)

Vorder-und Hinterstück sind durch eine breite Quergliederung in Hochrelief betont voneinander abgesetzt.

Eine weitere Anfrage im Sächsischen Staatsarchiv Hauptstaatsarchiv Dresden, gibt es vielleicht Rechnungen, bzw. Hinweise über die Bezahlung des Geschützes an den Stückgießer im Zeitraum 1521 bis 1525.

Anhand der Datenbank konnte kein Hinweis ermittelt werden, der auf den gesuchten Sachverhalt schließen lässt. Speziell unter den „Stolbergische Sachen“ des Bestandes 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv) wurde genauer recherchiert, leider ohne Ergebnis.

Eine Anfrage bei dem Buchautor ( Feld-und Festungsartillerie 1450-1929) Herrn Dr. Ing. Hans Mehl über die „schöne Treiberin“, (er vermutete als Stückgießer Dominikus Druck aus Eisleben), ergab auch keine neuen Erkenntnisse. Wie auch H. Müller (Deutsche Bronzegeschützrohre) erwähnen beide Autoren die Schenkung an Graf Botho von Stolberg, aber ein Anlass für die Schenkung ist bis heute nicht bekannt. Es bleibt uns nichts anderes übrig als weiter zu forschen. Vielleicht läuft uns ja noch eine alte Quelle über den Weg.

Somit bleibt nur die Durchsicht einschlägiger Sachakten im Lesesaal des Archivs in Dresden

Eine weitere Anfrage betreffs „Schöne Treiberin“ wurde an das Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden gestellt.

Dank an Herrn Dr. Heiko Berger, der uns für die Suche interessante Quellen zur Verfügung gestellt hat.

Aus : Schloss Wernigerode Vortrag des verewigten Schlossbaurats Karl Frühling

( 1913

Auszug: Die Vervollkommnung der Schusswaffen und namentlich der großen Geschützes, dazu die große Unsicherheit der Gegend infolge der Hildesheimer Stiftsfehde und anderer Fehden der Braunschweigschen Fürsten, veranlassten den Grafen Botho, eine der Zeit entsprechende Befestigung des Schlosses anzuordnen, wobei ihm sein Schwager, der Graf von Königstein-Eppstein, ein im Kriegswesen erfahrener Mann, mit seinem Rat an Ort und Stelle behilflich war. Im Jahr 1519 wurde eine neue Bastion vor dem Schlosse angelegt und 1520 vollendet, auch an einer zweiten äußeren Ringmauer gearbeitet. Der Zwinger war mit Brustwehr, Schießscharten und Schanzkörben zur Aufnahme von Geschützen versehen. Graf Königstein schickte einen Büchsenmeister Hans, der ein eigenes Büchsenhaus anlegte, die Geschütze vermehrte, und auch selbst Geschütze gegossen zu haben scheint. Noch bedrohlicher wurden die Zeiten mit dem Jahren 1525, als der Bauernkrieg ausbrach. Graf Botho wurde in Stolberg durch die zügellosen Horden auf das äußerste bedrängt und kam nach dem Osterfeste mit seiner ganzen Familie nach Wernigerode. Zur Sicherung von Schloss und Stadt wurden anfang Mai 200 Mann Landsknechte angenommen, von denen später 53 Mann hier verblieben und eine Wachstube auf dem Schlosse und eine zweite in der Stadt bezogen. Das Schloss setzte man in Verteidigungszustand; die Mauern wurden ausgebessert, Gesträuche und Bäume um das Schloss entfernt, letzteres mit Lebensmitteln und Munition versehen, eine Pulvermühle erbaut, das Büchsenhaus provisorisch zum Pferdestall eingerichtet, bei der Kirche Hafer aufgestapelt. Der Zwinger wurde mit Schanzkörben und Kanonen bewehrt, der Bestand an Hakenbüchsen und Armbrüsten vergrößert. Als Graf Botho der Glückselige 1538 starb, hinterließ er das Schloss wohl bewehrt und mit allen Kriegsbedürfnissen reichlich ausgestattet; 15 Stück Geschütze verschiedenen Kalibers waren vorhanden, dazu Büchsen auf Böcken und in Laden (hölzernen), Feuermörser, Doppelhakenbüchsen, gemeine Hakenbüchsen, halbe Hakenbüchsen, Handrohre und Hakenrohre. Auch die eisernen und Bleikugeln für die Geschütze waren in der Büchsenmeisterkammer kein Mangel. Lagerten doch daselbst für die kleineren Büchsen allein 4300 Kugeln, während das Pulvergewölbe im grauen Turm Tonnen mit Pulver, außerdem Salpeter und verschiedene Geräte enthielt. Auf dem oberen Wall standen auch die meisten der schon erwähnten schweren Geschütze, namentlich die verschiedenen Schlangen, unter denen nach dem ausführlichen Verzeichnisse von 1545 eine Nürnberger Notschlange und Herzog Jochen Feldschlange besonders erwähnenswert sind.

1626 kam Wallenstein mit seinem Heere. Er selbst war zweimal im Januar über Nacht in Ziegenhorns Hause. Seit Mai scheint längere Zeit hindurch eine stehende kaiserliche Garnison auf dem Schlosse gelegen zu haben. Am 31. Juli rückte Obristwachtmeister Rubertus Biti mit 130 Mann vom Korps des Oberst Götze mit in der Stadt requirierten 300 Leib Brot und 10 Fass Bier in das Schloss ein, ließ die großen Geschütze reinigen und montieren, auch Schanzkörbe setzen. Während der weiteren verschiedenen Garnisonwechsel gelang es, einige Geschütze zu vergraben, um sie dem Grafenhaus zu erhalten, aber bereits am 20. Juli 1629 wurde durch Verrat eine halbe Kartaune von Soldaten wieder aufgefunden, und auf Befehl des Obristenleutnants Becker, der in Halberstadt stand, mittels 18 Pferden nach Havelberg gebracht, auch Falkonets nach Halberstadt überführt. Am 1. Juli 1629 begehren die kaiserlichen noch neun Stück anzuzeigen, wo sie liegen, „und hat

Joh. Hendell, Amtsschösser zu Wernigerode, wo sie liegen müssen; sollten gleich weggebracht werden“. So schwand die Anzahl der schönen und mit großen Kosten beschafften Geschütze immer mehr dahin, und nur obriger Maßregel ist es zu verdanken, dass noch zwei Stück auf unsere Tage gekommen sind: Am 26. September 1864 morgens-zwei Tage vor dem Geburtstag des Fürsten Christian Ernst-stießen wir ungefähr vor dem Eckturm des Saalbaus 1 Meter unter der Fahrbahn beim Gasrohrlegen, auf ein grün oxidiertes metallenes Rohr, das ich (Autor) anfangs für ein Teil einer alten Wasserleitung ansah. Plötzlich erschien aber auf diesem Rohr ein Schildzapfen, und es wurde zur Gewissheit, dass man eine alte Kanone gefunden hatte. Im Beisein des Fürsten Otto wurde nun mit größtem Eifer und in gespanntester Erwartung die Erdarbeiten fortgesetzt und zur Freude aller zwei Stück bronzene Geschütze zuerst die wertvolle Herzog Jorgen Feldschlange, eine Schenkung des Herzogs Georg von Sachsen, prächtig orndiert und tadellos erhalten, ans Tageslicht gefördert. Es sind künstlerische Prachtexemplare des damaligen Geschützwesens. Nach dem Werke von Leonhard Fronsperger „ von allerten Geschütz und Feuerwerk“ gedruckt 1573 ist die kleinere von Dominicus Drunck 1530 gegossen, eine Falkaune, die größere 1521 gegossene eine halbe Feldschlange. Sie zeigt in vortrefflicher Ausführung das sächsische, darunter das Stolberg- Wernigerödische und das Königsteinische Wappen, sowie auf einem breiten Spruchband die Inschrift:

dy schone treiberin heis ich hertzog jorg von sachssen schangkt mich dem von stolberg graf bot genat itzt wonent in doringer land.

Wegen seiner sehr schönen heraldischen Embleme war das Geschütz auf der großen heraldischen Ausstellung in Berlin im Jahre 1881 ausgestellt, wo es die Bewunderung aller Sachverständigen, namentlich des damaligen Kommandanten des Berliner Zeughauses erregte. Genau nach den Vorschriften des oben genannten Werks habe ich (Autor) später zwei Lafetten konstruiert, mit denen versehen die Geschütze auf der großen neuen Terrasse Aufstellung gefunden haben. Mit welcher Eile man übrigens das Vergraben seiner Zeit betrieb, geht daraus hervor, dass im Lauf der Jorgen-Feldschlange noch ein nicht abgefeuerter Schuss saß. Kugel und Pulver scheinen, den gefundenen Eisenblechresten nach zu urteilen, in der Kartusche gesessen zu haben. Auch im Jahre 1715 wurde zufällig auf dem Schlosse ein Geschütz ausgegraben, das nach den Aufzeichnungen eines Augenzeugen W.M. Friedrich 7 Ellen = 4 Meter lang war, 30 Zentner wog und neben dem stolbergischen Wappen die Jahreszahl 1521 und die Inschrift „ G. Pegnitz goß mich“ trug, wahrscheinlich die 1547 inventarisierte „Nürnberger Notschlange“. Über ihren verbleib ist nicht bekannt. Die Ausgrabungen wurden noch an verschiedenen Stellen fortgesetzt, von Geschützen wurde aber weiter nichts gefunden, so dürfen wir zwar nicht annehmen, dass diese alle von diesem von 1511-1538 allein regierenden Herrn angeschafft oder erworben wurden, aber von dreien wissen wir, dass sie in diese Zeit gehören. Zwei davon zieren noch heute die neue, erst ums Jahr 1878 fertige Terrasse an der Südseite des Schlosses; es ist die „schöne Treiberin“, welche Herzog Georg von Sachsen als Oberlehnsherr des Grafen für diesen im Jahre 1521 gießen ließ. Das zweite weniger ausgezeichnete Rohr lässt auf der oberen Seite das einfache

gevierte Hohenzollerwappen sehen und berichtet durch seine Inschrift, dass Dominikus Drunck es im Jahre 1530 gegossen hat. Noch ein drittes, sieben Ellen langes und nach ungefährer Schätzung 30 Zentner schweres Rohr, das sich noch im Jahre 1715 auf dm Schloss befand, nennt einen Kunstgießer C. Pegnitz als seinen Urheber und das Jahr 1521 als Zeit des Gusses. Wir werden darin das Geschütz zu sehen haben, welches nach einer Angabe aus dem Jahre 1626 im Jahre 1522 gegossen war, das Stolbergische Wappen und den Reimvers:

Der Falck bin ich gehetten, Wen ich butte, dem wirdt is verdreten

auf dem Mantel trug 3).

3) Harzzeitschr.29 (1896), S.581. Dass durch irgend ein Versehen einmal das Jahr 1521, das andere mal 1522 gedruckt oder gelesen ist, kann nicht befremden. Mehr könnte es aber auffallen, dass der wernigerödische Ratsherr W.M. Friederich, der im Jahre 1715 das Geschütz in Augenschein nahm und beschrie ( s.Werni. Intell.-Blatt vom Jahre 1864, S. 332), nichts von dem Versehen sagt. Wenn er bemerkt, dass vor dem Stolbergschen Wappen der Name des Kunstgießers C. Pegnitz gestanden habe, so sehen wir uns veranlasst, hier abermals eine Ungenauigkeit anzunehmen: Andreas Pegnitzer, Vater und Sohn, sind bekannte Geschütz-und Glockengießer in Nürnberg. Ersterer, der schon 1512 tätig war, zog 1543 wohlbetagt nach Kulmbach, wo der Sohn 1549 starb. Naglers Künstl.-Lex. 11,51, Zedlers Univ.-Lex 27, 100f Wahrscheinlich der Vater goss den „Falken“, den wir unter den 12 Mitte des 16. Jahrhunderts verzeichneten Feldgechützen auf Schloss Wernigerode als die „Nürnbergische notschlangeanzusprechen haben werden. Harzzeitschr. 29 (1896), S.554.

SHStA, Sächs. Kriegsarchiv (Dresden), Hauptzeughaus, Loc. 10936 Ausgaberegister für das Zeughaus. 1529-1531

Verzeichnete Personen, die 1529 im Zeughaus Dresden tätig waren.

Bildschnitzer (Modell für den Geschützguss) Geschützgießer Balthasar Stecher Oßwald Schmiedearbeiten Hans Kloster mit Gesellen Tischler Wagner Blasebalgteter Tagelöhner

Leider ist es uns auch hier, aus den sehr aufschlussreichen Berichten nicht gelungen, den Geschützgießer der „schönen Treiberin“ zu finden. Es ist schon sehr merkwürdig, dass auf diesem künstlerischen Prachtexemplar des damaligen Geschützwesens der Geschützgießer nicht verzeichnet ist.

Die Suche geht weiter

Nordhausen:

In der Stadtgeschichte von Nordhausen wird erwähnt: -Rittmeister von Kowats führt die Geschütze der Stadt Nordhausen fort.

Zeichnung : Fritz Teichmüller (1929)

Der preußische Rittmeister von Kowats führt die Geschütze der Stadt Nordhausen durch das Sundhäuser Tor fort. Kowats forderte 100.000 Taler und drohte die Stadt an vier Stellen gleichzeitig anzuzünden. Er begnügte sich schließlich mit 10.000 Talern. Als er das zweite Mal die Stadt heimsuchte, nimmt er die wertvolle Feldschlange „Lindwurm“ (gegossen 1519 von Pegnitzer) mit. Im Buch-Das tausendjährige Nordhausen-erstes Buch 1927 ist der „Lindwurm“, sowie sein Stückgießer Pegnitzer nicht erwähnt. Es ist lediglich erwähnt, dass ab 1428 die Räumlichkeiten des alten Stifts am Kornmarkt als Aufbewahrungsort für Verteidigungs-und Belagerungsmaschinen diente. Eine Anfrage im Stadtarchiv Nordhausen ergab, dass in der genealogischen Kartei, sowie in den Berufslisten der Geschütz-und Glockengießer Andreas Pe(n)gnitzer nicht erwähnt wird.

Aber die Suche geht weiter.

Sangerhausen

Natürlich suchen wir auch Büchsenmeister aus der Region unseres Verbandssitzes auf Burg & Schloss Allstedt. Dazu gehört auch Sangerhausen, die Kreisstadt des neuen Landkreises Mansfeld-Südharz.

Im Stadtarchiv Sangerhausen fanden wir eine Urkunde aus dem Jahr 1465, wo von einem Büchsenmeister die Rede ist.

Teilübersetzung der Urkunde von 1465. Originaldokument im Stadtarchiv Sangerhausen

Einen weiteren Hinweis auf dieses Schreiben von 1465 gibt es in der Chronik der Stadt Sangerhausen von Friedrich Schmidt

Aufsatz über die Befestigung von Sangerhausen von Friedrich Schmidt. Aus Geschichte der Stadt Sangerhausen. Erster Teil, III. Militärwesen der Stadt. Die Befestigungen von Sangerhausen.

(Auszug) Nach dem Befehl von 1463 sollte die Hälfte der Bürger bei Coburg sein wohlgerüstet, aber seine Mietlinge oder geringe Personen, sondern die trefflichsten und wahrhaftigsten Bürger mit etlichen trefflichen aus dem Rate für Hauptleute und „Gimptleute“ (Aufseher, auch Richter), die Herzog Wilhelm oder seiner Hauptleute Geheiß vernehmen und sich danach richten solle. Befehl von 1465: 60 Trabanten mit Pafeisen 2c., 7 Reisewagen mit eisernen Ketten sc., „ 2 Steinbüchsen auf 2 fonderlichen anhangenden Karren leigend“, 20 Steine, 1T. Pulver,1 Büchsenm.,1 „Trummeter“, 1 Steinmetzen, 2 Brecheisen, 7 Zimmermann, 1000 Pfeile.

Schreiben vom 5. Juli und 16. August 1465 „verlangte er 20 Trabanten, 1 Seinbüchse auf Karren 2c., 1000 Pfeile,1 Setzscharte sowie einen Hauptmann aus dem Rate, nach dem sie sich gehorsamlich richten“.

Aus: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde 1885

Der Landgraf Balthasar von Thüringen als besondere Freund der neuen Kampfmittel, hält sich einen eigenen Büchsengießer zu Gotha. Die Urkunde ist in mehrfacher Hinsicht interessant, denn sie gibt uns auch einen Fingerzeig für die Art der Geschützbereitung, indem eine Kupferlieferung angeordnet wird, und ferner gewährt sie zugleich ein Zeugnis für die Ausbeutung der Kupferminen zu Sangerhausen.

Gotha 15. Mai 1388. Ermächtigung des landgräflichen Büchsenmeisters Martin zu Gotha zum Bezug von Kupfer aus den Gruben zu Sangerhausen. Hauptstaatsarchiv Dresden, Copial 2 fol. 84, mit der Aufschrift „litera Mertin buchsinmeisters uber drie zentener kuppfers ime gegeben“.

Gefunden wurde auch ein Grundbucheintrag eines Büchsenmeisters aus Sangerhausen von 1861

Grundbucheintrag für einen Büchsenmeister aus Sangerhausen von 1861. Originaldokument im Stadtarchiv Sangerhausen.

Die Suche nach Büchsenmeistern aus der Region Mansfeld-Südharz geht weiter.

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